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Sich nicht mehr verstecken und verstellen müssen: Das tut so gut. Es ist aber selbst heute für queere Menschen nicht immer selbstverständlich. Das persönliche Coming-out kann ein erster Schritt in ein freieres und selbstbestimmteres Leben sein. Hilfe und Unterstützung beim Coming-out gibt es in Berlin für Jugendliche und Erwachsene.
Liebe und Sexualität sind vielfältig. Auch das eigene Geschlecht und die eigene geschlechtliche Identität passen nicht immer ins Raster. Wer sich selbst als homo-, bi-, pan- oder asexuell identifiziert, möchte offen und frei leben. Das gleiche gilt für trans*, inter* und nicht-binäre oder agender Menschen. Das persönliche Coming-out kann ein wichtiger Schritt für ein selbstbestimmtes Leben sein, aber es gibt keine Pflicht, sich überall zu outen! Schließlich geht es bei den Themen um den höchst persönlichen Lebensbereich.
Selbst heute in einem überwiegend aufgeklärten und offenen Deutschland fällt das Coming-out nicht immer leicht. Es kann mit Ängsten verbunden sein, wie Familie, Freunde, das berufliche und weitere soziale Umfeld reagieren.
Glücklicherweise müssen sich queeres Leben und LGBTIQA+ Menschen nicht mehr verstecken. Doch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die zunehmende Hetze und Gewalt gegen die LGBTIQA+ Community machen ein Coming-out gerade nicht einfacher.
Es ist gut zu wissen, dass niemand allein durch das Coming-out gehen muss. In Berlin gibt es verschiedene Angebote für Jugendliche und Erwachsene. Sie helfen mit Rat und Tat bei der Selbstfindung, beim Coming-out und im Falle eines Fremd-Outings.
Lambda vertritt die Interessen junger queerer Personen in der Öffentlichkeit und Politik. Der Verein engagiert sich für die Belange, Bildung, Aufklärung, Beratung und Freizeitgestaltung queerer Jugendlicher. Lambda ist ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren.
Zu den Angeboten des Vereins gehören ein queeres Jugendzentrum, Beratungsmöglichkeiten, Jugendgruppen sowie offene Angebote und Projekte.
Das Angebot ist ebenfalls offen für Angehörige und Fachkräfte, etwa aus der Schulsozialarbeit oder anderen Jugendhilfe-Einrichtungen.
Das queere Jugendzentrum „Queerdom“ in Berlin Mitte ist eine offene Jugendfreizeiteinrichtung. Sie richtet sich an Menschen zwischen 14 und 21 Jahren und bietet einen geschützten Raum für Jugendliche, die sich als queer oder LSBT*I* identifizieren. Aber auch für diejenigen, die sich noch nicht sicher sind oder einfach die Vielfalt der Menschen feiern. In der Einrichtung gibt es offene Angebote. Das heißt, geschützte Gruppen werden mit den Jugendlichen gemeinsam initiiert.
Besuch und Teilnahme an den Angeboten sind für alle kostenfrei möglich. Jugendliche können einfach während der Öffnungszeiten vorbeikommen.
Bei Q*ube stehen queere Themen im Mittelpunkt. Hier sind alle Jugendlichen willkommen, die sich selbst als queer identifizieren, es noch nicht genau wissen oder der Community offen gegenüberstehen.
Das Q*ube ist immer dienstags bis freitags von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Es bietet gemeinsames Kochen, Box-Trainings, Sport- und Tanzworkshops an. Im eigenen Tonstudio und Kunstraum kann man der eigenen Kreativität freien Lauf lassen.
Berlins „schwuler Checkpoint“ Mann-O-Meter bietet zwei Gruppen für junge Schwule zwischen 14 und 27 Jahren an.
Der Jungschwuppen Mittwochsclub bietet jungen Schwulen die Möglichkeit, sich bei Kaffee, Kakao und Cola über den ganz alltäglichen Wahnsinn der schwulen Welt auszutauschen.
Bei Romeo & Julius gibt es Spieleabende, Kneipentouren, Themenabende, Filmabende, Kochabende und mehr.
Mann-O-Meter bietet zudem eine spezielle Beratung für junge schwule Menschen an.
pro familia Berlin berät in der Jugendsprechstunde alle Jugendlichen und junge Menschen bis 25 Jahren aus Berlin zu allen Themen rund um Liebe, Beziehung, Sex und geschlechtlicher Identität.
Hier gibt es ehrenamtliche Peer-Beratung. Peer-Beratung bedeutet: Jugendliche beraten Jugendliche. Sie sind alle selbst LSBTQ*. Die jugendlichen Peers werden von professionellen psychologischen und sozialpädagogischen Fachkräften ausgebildet und begleitet.
Das Angebot „Liebesleben“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet nicht nur eine telefonische und Online-Beratung, sondern auch viele Informationen rund um die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche Identität.
Die Seite widmet sich zudem ausführlich dem Thema „Konversionsbehandlungen“. Die bei Jugendlichen verbotene Pseudotherapie kann gefährliche und schädliche Folgen haben.
Liebesleben bietet ebenfalls einen Bereich für Eltern rund um die Themen Sexualität, geschlechtliche Identität und Vielfalt.
Auf dem Portal für queere junge Menschen findet ihr weitere Online-Angebote und Angebote in Berlin.
Die Lesbenberatung Berlin richtet sich an Lesben, bisexuelle Frauen, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen. Das Angebot steht aber auch Menschen offen, die noch in ihrer Findungsphase sind.
Neben einem Beratungsangebot gibt es bei der Lesbenberatung Berlin auch Workshops, Veranstaltungen und Gruppen. Die Lesbenberatung verfügt zudem über eine eigene Bibliothek mit Romanen, Comics und Fachbüchern zu den Themen Rassismus, Coming-out, Migration, Familie, Sexualität, Gewalt, Gesundheit.
Die Berliner Schwulenberatung ist an vier Standorten in Berlin zu finden.
Neben einem breiten Beratungsangebot zur Vielfalt „schwuler“ Themen bietet die Schwulenberatung Berlin auch eine Coming-out Gruppe für Männer ab 18 Jahren an.
Auch zu den Themen trans* und inter* gibt es ein breites Beratungsangebot.
Der Verein Mann-O-Meter bietet in Berlin Informationen und Beratung rund um das schwule Leben. Ein Hauptziel des Vereines ist, für die psychische und physische Unversehrtheit schwuler Männer zu sorgen, indem sie aufklären, informieren und beraten.
Zum Angebot gehört auch eine Coming-out-Beratung für Männer.
MILES ist ein Angebot des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD). Es bietet psychosoziale sowie rechtliche Beratung und Unterstützung für Queers mit Flucht- und Migrationsgeschichte an. Die psychosoziale Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Zentrale Themen sind Coming-Out, sexuelle beziehungsweise geschlechtliche Identität, psychische Belastung sowie Konflikte in der Unterkunft oder Diskriminierungserfahrungen. MILES arbeitet mit anderen Organisationen und Institutionen zusammen und vermittelt auch an andere kompetente Beratungsstellen weiter.
Die Anmeldung zur Beratung geht entweder telefonisch unter 030 754 377 00 oder per E-Mail.
GLADT ist die eine Selbstorganisation von Schwarzen, Indigenen und of Color Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen in Berlin. Sie engagieren sich auf unterschiedlichen Ebenen gegen Rassismus, Sexismus, Trans*- und Homofeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit sowie andere Formen von Diskriminierung. Zum Angebot von GLADT gehört auch die Beratung rund um die Themen Coming out, Familie und Religion.
Dienstags und donnerstags gibt es jeweils von 13 bis 16 Uhr eine offene Beratung. Beratungstermine können Sie auch telefonisch unter 030 587 684 93 00 oder per E-Mail vereinbaren.
Der Berliner Verein TransInterQueer (TrIQ) bietet seit 2006 vielfältige selbstorganisierte Angebote. Dazu gehören Gruppenangebote, Bildungs- und Aufklärungsarbeit, Beratung und Information sowie politische Arbeit und nationale und internationale Vernetzung zu trans*, inter* und nicht-binären Themen.
Der Berliner Verein Sonntags Club ist ein Veranstaltungs-, Informations- und Beratungszentrum für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter* und nicht-binäre Menschen. Er ist ein Treffpunkt für alle queeren Menschen sowie für alle Freundinnen, Freunde und Interessierte. Die Kultur- und Bildungsveranstaltungen sind für eine breite Öffentlichkeit in der gesamten Stadt ein interessantes Angebot.
Einige der oben genannten Einrichtungen bieten ebenfalls Angebote für Eltern, Familien und Regenbogenfamilien.
Trans-Kinder-Netz e.V. ist ein Verein von Eltern und Familienangehörigen mit trans Kindern und trans Jugendlichen unter 18 Jahren. Er bietet Unterstützung von Menschen, die mit dem Thema trans* bei Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Zum Angebot des Vereins gehören Beratung, Aufklärung und Elterngruppen.
Lesben Leben Familie – LesLeFam: Vertretung der Interessen von lesbischen Frauen und Regenbogenfamilien in Politik und Gesellschaft. Treffen, Freizeitangebote, Spiel- und Krabbelgruppen
Die Berliner Regenbogen-Familienzentren beraten und unterstützen LSBTIQ*-Familien. Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans*-Personen mit Kindern oder Kinderwunsch können sich hier vernetzen und austauschen.
Leider werden queere Menschen immer wieder Opfer von queerfeindlicher Gewalt beziehungsweise homo- und transphob motivierter Gewalt und erfahren Diskriminierungen in vielen Lebensbereichen.
Queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung hat viele Gesichter, beispielsweise:
Bei Diskriminierung gibt es verschiedene Möglichkeiten, dagegen vorzugehen: Vom Beschwerdebrief bis zum Rechtsweg über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) oder das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG). Das AGG kann bei Diskriminierung am Arbeitsplatz und durch private Dienstleister (auch Privatschulen) angewendet werden. Das LADG gilt bei Diskriminierung durch Behörden, also staatliches Handeln (Bürgerämter, öffentliche Kitas oder Schulen). Es gibt jeweils Beschwerdestellen, zum Beispiel die LADG-Ombudsstelle.
Bei Gewalt, wie körperliche und sprachliche Übergriffe, Beleidigungen und so weiter, können und sollten Sie bei der Polizei Anzeige erstatten. Die Staatsanwaltschaft Berlin geht jeder Anzeige nach, da bei diesen Taten das öffentliche Interesse an der Aufklärung und Strafverfolgung grundsätzlich vorausgesetzt wird.
In Berlin gibt es neben Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Stellen, bei denen Sie Hilfe, Schutz und Beratung zur Erstattung einer Anzeige bekommen.
Das Schwule Museum Berlin wurde 1985 gegründet, um der Geschichte und Kultur schwuler Männer und ihrer Emanzipationsbewegung, ihren von den Museen und Archiven der Mehrheitsgesellschaft abgewerteten und ausgeschlossenen Geschichte(n), künstlerischen Werken, Lebenszeugnissen und Bewegungsdokumenten eine Heimat zu geben. Heute ist das Museum das international wichtigste Kompetenzzentrum für die Erforschung, Bewahrung und Präsentation der Kultur und Geschichte queerer Menschen und sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.
Spinnboden dokumentiert seit mehreren Jahrzehnten den Wandel und die Vielfalt der Selbstverständnisse, Kulturen und Politiken von Lesben. Gleichzeitig ist Spinnboden ein lesbisch-feministischer-queerer Community-Ort. Zum vielfältigen Angebot gehört auch eine individuelle Coming-Out Beratung. Sie richtet sich an Lesbische und bisexuelle Frauen (trans, inter, cis) sowie nicht-binäre Lesben und alle, die noch unsicher sind.
Die Beratung findet online, telefonisch oder vor Ort im Spinnboden in Berlin-Mitte statt. Die Anmeldung zur Beratung ist per E-Mail möglich.
Das „Archiv der anderen Erinnerungen“ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist ein Interviewprojekt (Oral History) mit dem Ziel, die Lebensrealität von queeren Menschen zu würdigen und für künftige Generationen sichtbar zu machen. Die 100 lebensgeschichtlichen Videointerviews bilden queere Biografien ihrer Vielfalt abgebildet.
Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. ist eine Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft, die auch eine Bibliothek und ein Archiv umfasst.
Sie widmet ihre Arbeit der Erforschung der Geschichte des Instituts für Sexualwissenschaft, der Geschichte der Sexualwissenschaft und der Sexualreformbewegung allgemein, sowie der Forderung nach der Etablierung von Geschlechter- und Sexualforschung an einer Berliner Universität.
Das QueerFenster uder Berliner Landesbibliothek bietet allen Menschen queere Literatur und Medien sowie Infos zu LGBTQIA+.
Die Lili-Elbe-Bibliothek ist eine private Sammlung von Büchern und Filmen zu trans* und inter* Themen.
Der Bestand der Lili-Elbe Bibliothek umfasst aktuell rund 1.400 Bücher und etwa 250 Filme sowie in einem kleineren Umfang Zeitschriften, Aufsätze, Forschungsarbeiten, Zeitungs- und Magazinartikel, Hörbücher und Musik.
Der Queer History Month ist ein Kooperationsprojekt, das die Behandlung von historischen sowie gegenwartsbezogenen queeren Themen in der Bildungsarbeit fördern möchte. Er ist ein kostenloses Angebot für Schulen und Jugendeinrichtungen.