Gut vorbereitet – Sprachförderung in Kita und zu Hause

Drei Kinder liegen in einer Kita auf dem Boden und hören gebannt der vorlesenden Erzieherin zu.

Damit Kinder sich entfalten und in der Grundschule gut mitarbeiten können, müssen sie Deutsch sprechen und verstehen. Berlin unterstützt jedes Kind vor der Einschulung dabei, dass es gut Deutsch lernt. Und auch Sie können ihrem Kind dabei helfen, die Sprache zu lernen.

Kinder lernen Sprache ohne bewusstes Nachdenken. Sie entwickeln ihr Verständnis von Sprache vor allem aus ihrer Umwelt – von der Familie, der Kita oder Kindertagespflege sowie ihrer sonstigen Umgebung. 

Kinder lernen sprechen in Handlungen und Gesprächen, die für sie sinnvoll sind und die sie gemeinsam mit anderen ausüben. Dabei ist für sie wichtig, was sie wahrnehmen, äußern und verstehen und nicht die Äußerungen selbst.

Der Kita-Besuch ist in Berlin kostenfrei

Der beste Ort für Kinder, die deutsche Sprache zu lernen sind die Kitas und Kindertagespflegen. Daher empfehlen wir Ihnen, Ihr Kind für die Betreuung in einer Kita anmelden. Der Kita-Besuch ist in Berlin für alle Kinder kostenlos.

In der Kita lernt es nicht nur die deutsche Sprache. Eine Kita oder Kindertagespflege hilft Ihrem Kind dabei, Freundschaften zu knüpfen und noch viele andere wichtige Fähigkeiten zu lernen.

Sprache ist der Schlüssel für eine gute Entwicklung

Dass Kinder gut Deutsch verstehen und sprechen können ist wichtig. Die Sprache ist Voraussetzung dafür, dass sie sich im Kindergarten und vor allem in der Schule gut entwickeln und an gemeinsamen Aktivitäten teilhaben können. 

Die Kita, der Kindergarten oder die Kindertagesbetreuung sind der perfekte Ort für Kinder, um verstehen und sprechen zu lernen. Besonders für Kinder, deren erste Sprache nicht Deutsch ist, oder die es aus anderen Gründen schwer haben, die deutsche Sprache zu lernen.

Handreichung für Fachkräfte

Das verbindliche Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege widmet sich ausführlich den Themen Sprache und Kommunikation. 

Mit dem Bildungsprogramm bekommen die Fachkräfte in der Kita und Kindertagespflege zum Beispiel sogenannte Erkundungsfragen, um die Sprachfähigkeit eines Kindes einschätzen zu können, eine Liste mit Fähigkeiten, die Kinder lernen können und konkrete Anregungen für die tägliche Praxis in der Kita oder Kindertagespflege.

Sprache steht im Bildungsprogramm aber nicht allein. Vielmehr durchzieht die alltägliche sprachliche Bildung alle anderen Bildungsbereiche. Dazu gehören unter anderem Gesundheit, soziales und kulturelles Leben oder auch Mathematik sowie Natur, Umwelt und Technik. Denn, um diese Dinge zu verstehen, müssen die Kinder kommunizieren können.

Wie unterstütze ich mein Kind beim Lernen der Sprache?

Auch Sie selbst, können ihr Kind beim Spracherwerb aktiv unterstützen. 

Damit Kinder eine Sprache gut lernen, brauchen Sie mehrere Dinge:

  • vertraute Personen in ihrer Umgebung,
  • verlässliche Beziehungen zu Personen, die sich unter Einsatz von Körper, Gesichtsausdruck, Stimme und Gesten dem Kind zuwenden sowie
  • eine reiche und interessante Erlebniswelt.

Kurz gesagt: Je mehr Sinne angesprochen werden, desto besser entwickelt sich die Sprachfähigkeit Ihres Kindes. 

Allein fernsehen, streamen, Computer spielen oder Hörspiele hören sind kein Ersatz für Gespräche zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Denn beim Lernen der Sprache sind Kinder auf:

  • Blickkontakt,
  • handlungsbegleitendes Sprechen – etwa beim Anziehen oder Wickeln – und
  • gut verpackte Verbesserungen 

angewiesen.

Seien Sie aufmerksam für das, was Ihre Kinder denken, fühlen und sagen. Dann merken sie, dass es sich „lohnt“ eine Sprache zu lernen und erfahren, dass sie mit ihrer Sprache etwas bewirken können.

Sprache entsteht im Dialog

(1) Sprechen Sie viel 

In der Sprache, die Sie sicher beherrschen: Wenn Sie sich in Ihrer Muttersprache besser ausdrücken können, dann nutzen Sie genau diese. Eine stabile sprachliche Basis in der Familiensprache unterstützt auch das Lernen von Deutsch.

Wichtig ist:

  • Sprechen Sie vollständige Sätze.
  • Benennen Sie Dinge und Tätigkeiten, zum Beispiel „Das ist ein Schneebesen. Damit schlagen wir Sahne.“
  • Drücken Sie Gefühle und Gedanken sprachlich aus, zum Beispiel „Du bist enttäuscht, weil …“

(2) Begleiten Sie den Alltag sprachlich

Nutzen Sie dafür Routinen wie beispielsweise:

  • Erklären Sie die Abläufe, wenn Sie kochen.
  • Vergleichen Sie Begriffe, wenn Sie gemeinsam einkaufen, zum Beispiel „größer“, „billiger“, „rund“.
  • Wenn Sie Ihr Kind anziehen, beschreiben Sie die Reihenfolge, zum Beispiel, „Erst ziehen wir die Socken an und danach die Hose …“

Wichtig ist das sogenannte sprachliche Modellieren: Wenn Ihr Kind sagt: „Fahrrad kaputt“, antworten Sie: „Ja, das Fahrrad ist kaputt. Der Reifen ist platt.“

Sie korrigieren nicht direkt, sondern bieten ein korrektes Sprachvorbild.

(3) Lesen Sie (zweisprachig) vor

Vorlesen ist eines der wirksamsten Mittel bei der Sprachförderungen. Dafür können Sie:

  • in Ihrer Muttersprache vorlesen,
  • zweisprachige Bücher nutzen und
  • Bilder in Büchern ohne Text gemeinsam beschreiben.

Stellen Sie dabei offene Fragen:

  • „Was glaubst du, passiert jetzt?“
  • „Warum ist die Figur traurig?“

So fördern Sie Wortschatz und Denkfähigkeit

(4) Gespräch statt Korrektur

Vermeiden Sie es, Ihr Kind ständig zu verbessern. Denn zu viele Korrekturen können Ihrem Kind die Freude am Sprechen nehmen. Besser als zu korrigieren ist:

  • Das Gesagte aufgreifen, zum Beispiel „Hund da!“, „Ja, da ist der Hund“. So zeigen Sie Ihrem Kind: „Ich höre dich. Deine Aussage ist wichtig.“.
  • Das gesagte zu erweitern, zum Beispiel „Hund laut!“, „Ja, der Hund bellt laut.“. Das Kind hört die korrekte Struktur, ohne dass seine eigene Formulierung abgewertet wird.
  • Nachzufragen, zum Beispiel „Ich war Park“, „Du warst im Park? Mit wem warst du dort?“. Offene Fragen mit „was“, „wie“ oder „warum“ fördern längere und komplexere Antworten.

Sprache wächst durch Sicherheit, nicht durch Druck.

(6) Das Entscheidende

Ihr Kind braucht:

  • Aufmerksamkeit,
  • Dialog,
  • emotionale Sicherheit und
  • sprachliche Anregung.

Die Muttersprache richtig lernen

Auch wenn Sie zu Hause kein Deutsch sprechen können, ist es wichtig, dass Ihr Kind seine Muttersprache von Ihnen richtig lernt. Sprechen Sie die Sprache oder Sprachen mit Ihren Kindern, in der oder denen Sie sich selbst am meisten „zu Hause“ und wohl fühlen. Hier gelten die gleichen Tipps wie oben.

Zeigen Sie gleichzeitig aber auch Anerkennung und Interesse für die Fortschritte Ihres Kindes im Deutschen.

Integrieren Sie Deutsch spielerisch in den Alltag und stellen Sie selbst Fragen, wenn Ihr Kind deutsche Wörter kennt, die neu für Sie sind. So lernen Sie gemeinsam.

  • Hören Sie gemeinsam kindgerechte Hörspiele oder Lieder auf Deutsch.
  • Schauen Sie gemeinsam kurze kindgerechte Sendungen auf Deutsch an und sprechen Sie darüber. Zum Beispiel „Die Sendung mit der Maus“ (ARD), „Löwenzahn“ (ZDF), „Das Sandmännchen“ (ARD) oder mit etwas älteren Kindern die Kindernachrichten „logo!“ (ZDF).
  • Verabreden Sie Spielkontakte mit deutschsprachigen Kindern.

Die Sprachförderung in Berliner Kitas und der Kindertagespflege

  • Welche Rolle spielt die Sprachförderung in Berlin?

    In Berlin ist die sprachliche Förderung ein zentrales Element des Berliner Bildungsprogramms für Kitas und Kindertagespflege. Der Bildungsplan ist verpflichtender Bestandteil der alltäglichen pädagogischen Arbeit. Das Land Berlin möchte, dass Kinder die besten sprachlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang in die Grundschule bekommen.

  • Welche Methoden gibt es für die Sprachbildung in Kindergarten und Kita?

    Alltagsintegrierte Sprachbildung

    Berliner Kitas und die Kindertagespflege fördern die sprachliche Entwicklung nicht isoliert, sondern betten sie in den Alltag ein:

    • sprachfördernde Interaktionen beim Spielen, Essen, Gruppenaktivitäten,
    • gezieltes Modellieren von korrekt formulierten Sätzen durch Fachkräfte,
    • dialogorientierte Begleitung – offene Fragen, Erzählanlässe, Gespräche.

    Mehrsprachigkeit als ist dabei eine wichtige Ressource, und kein Nachteil.

    Systematische Beobachtung und Dokumentation

    In Berlin hat das BeoKiz-Verfahren das Sprachlerntagebuch abgelöst. Genau wie das Sprachlerntagebuch nutzen Pädagoginnen und Pädagogen das BeoKiz-Verfahren zur kontinuierlichen Beobachtung der sprachlichen Entwicklung Ihres Kindes. Neu ist, dass mit dem BeoKiz-Verfahren auch andere Entwicklungen der Kinder beobachtet und an einem Ort dokumentiert werden:

    • Erfassung der Lernprozesse eines Kindes.
    • Dokumentation als Grundlage für Förderplanung.
    • Orientierung an für jedes Kind gesteckten Entwicklungszielen.
  • Wie funktioniert die Sprachstandfeststellung und die gezielte Förderung?

    Die Pädagoginnen und Pädagogen in der Kita und Kindertagespflege beobachten und dokumentieren regelmäßig die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes. 

    Bei der Sprachstandfeststellung in der Kita oder Kindertagespflege erheben die Pädagoginnen und Pädagogen 15 Monate vor Beginn der Schulzeit den aktuellen sprachlichen Entwicklungsstand des Deutschen Ihres Kindes. Also, ob die sprachlichen Fähigkeiten des Deutschen dem Alter Ihres Kindes entsprechen. 

    Zeigt sich dabei ein besonderer Förderbedarf, bekommt ihr Kind eine gezielte Förderung im gesamten letzten Jahr vor der Einschulung. So wird sichergestellt, dass Ihr Kind in der Schule alles versteht und sich ausdrücken kann.

    Die Sprachförderung findet in den normalen Kita-/Kindertagespflegezeiten statt. Die Einrichtung stimmt eventuelle Förderungen mit Ihnen ab.

  • Was ist, wenn mein Kind keine Kita oder Kindertagespflege besucht?

    Auch wenn Ihr Kind keine Kita oder Kindertagespflege besucht, ist die Sprachstandfeststellung Pflicht.

    Die Sprachstandfeststellung findet in diesem Fall etwa zwei Jahre vor der Einschulung statt. Das Schulamt lädt sie schriftlich zur Sprachstandfeststellung ein. Das Sprachberaterteam in Ihrem Bezirk schaut dann, wie gut sich die deutsche Sprache Ihres Kind entwickelt hat.

    Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind noch Unterstützung dabei braucht, Deutsch zu lernen, muss es an einer Sprachförderung teilnehmen.

    Die Teilnahme ist dann verpflichtend. Die Sprachförderung dauert insgesamt 18 Monate und findet vom 1. Februar bis zum 31. Juli des folgenden Jahres statt.

    Das Schulamt teilt Ihnen auch mit, an welchen Kitas in Ihrer Nähe Ihr Kind an der Sprachförderung teilnehmen kann.

    Kita-Besuch ist in Berlin kostenfrei

    Sie können Ihr Kind auch regulär für die Betreuung in einer Kita anmelden. Der Kita-Besuch ist in Berlin für alle Kinder kostenlos
    Auch abseits der Sprachförderung empfehlen wir, dass Ihr Kind vor der Schule eine Kita oder Kindertagespflege besucht. Denn dort lernt es nicht nur die deutsche Sprache. Eine Kita oder Kindertagespflege hilft Ihrem Kind dabei, Freundschaften zu knüpfen und noch viele andere wichtige Fähigkeiten zu lernen. 
     

  • Ist die Sprachstandserhebung ein Sprachtest?

    Nein, die Sprachstandserhebung ist kein klassischer Sprachtest.

    Ein Sprachtest misst möglichst genau, wie gut ein Kind spricht – mit klaren Aufgaben, festen Bewertungsregeln und oft im Vergleich zu anderen Kindern. Er will Leistung differenziert erfassen.

    Die Sprachstandserhebung dagegen stellt vor allem eine andere Frage: Reichen die sprachlichen Fähigkeiten aus, um nach der Kita dem Unterricht in der Grundschule gut folgen zu können – oder braucht das Kind zusätzliche Unterstützung? Sie misst also nicht jedes Detail, sondern prüft, ob das Kind eine Förderung braucht.

  • Was ist der Unterschied zwischen Sprachbildung und Sprachförderung?

    Sprachbildung

    Sprachbildung bezeichnet die durchgängige, in den Alltag integrierte und systematische Unterstützung der sprachlichen Entwicklung der Kinder.

    • Universell und präventiv: Sprachbildung richtet sich an alle Kinder im Kita–Alltag – unabhängig davon, ob sie besondere Förderung brauchen oder nicht.
    • Im Alltag: Sie findet überall dort statt, wo Kinder sprechen, zuhören, Geschichten erleben, Fragen stellen oder gemeinsam kommunizieren. Beispielsweise beim Spielen, Essen, Vorlesen, Projektarbeit oder in Gruppengesprächen.
    • Teil des Bildungsprozesses: Sprachbildung ist kein Zusatzprogramm, sondern ein Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Sie fördert die Entwicklung von Sprachverständnis, Ausdrucksfähigkeit und sprachliche Neugier.

    Langfristige und durchgehende Sprachbildung begleitet Kinder über die gesamte Kita- und Tagespflegezeit hinweg und schafft die Grundlage für späteres Lernen in der Schule.

    Sprachförderung

    Sprachförderung bezeichnet gezielte, meist zeitlich begrenzte Maßnahmen für Kinder mit sprachlichem Förderbedarf.

    • Individuell und zielgerichtet: Sprachförderung richtet sich an einzelne Kinder, bei denen die Beobachtung oder formale Sprachstandserhebung einen Förderbedarf zeigt.
    • Zusätzliche Unterstützung: Sie kann zeitlich begrenzt und intensiver sein als die allgemeine Sprachbildung. Beispielsweise über Sprachkurse, gezielte Übungen oder zusätzliche Förderung in Kleingruppen.

    In Berlin wird vor Schuleintritt der Sprachstand aller Kinder erhoben. Kinder mit Förderbedarf nehmen dann an einem gezielten Sprachförderprogramm teil, das sie auf den Übergang in die Grundschule vorbereitet.

  • Warum gibt es kein Sprachlerntagebuch mehr?

    In den Berliner Kitas war das Sprachlerntagebuch (SLT) lange ein vertrauter Begleiter. Doch mit den wachsenden Anforderungen an frühkindliche Bildung im Rahmen des Berliner Bildungsprogramm wurde deutlich, dass Sprache nicht isoliert betrachtet werden kann. 

    Bildung vollzieht sich nicht in Formularen, sondern im gelebten Alltag – im Spiel, im Streit, im Erzählen, im Fragen.

    Deshalb löst Berlin das Sprachlerntagebuch schrittweise bis Juli 2027 durch BeoKiz ab. BeoKiz ist ein Beobachtungs- und Einschätzungsverfahren, das auf die gesamte kindliche Entwicklung schaut. Hier steht das Kind in mit all seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Mit BeoKiz ist die Sprache nicht mehr ein einzelnes Förderfeld. Vielmehr ist es Bestandteil aller Bildungsprozesse.

    Fachkräfte dokumentieren nicht mehr nur, ob ein Kind bestimmte sprachliche Kriterien erfüllt, sondern wie es lernt, kommuniziert und Bedeutungen konstruiert.

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