Vorsorgeuntersuchungen für Kinder: Gesundheit von Anfang an begleiten
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Die Gesundheit von Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Ein wichtiger Grund dafür sind die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Sie helfen dabei, Krankheiten, Entwicklungsverzögerungen oder besondere Belastungen frühzeitig zu erkennen. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Thema Kindervorsorgeuntersuchungen wissen sollten.
Was sind Kindervorsorgeuntersuchungen?
Kindervorsorgeuntersuchungen sind regelmäßige ärztliche Untersuchungen für Kinder. Sie werden auch U-Untersuchungen genannt. Diese Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, die Gesundheit ihres Kindes von der Geburt bis ins Grundschulalter zu begleiten. Ergänzt werden sie durch Vorsorgeangebote im Schul- und Jugendalter. Für Eltern sind diese Termine eine wichtige Möglichkeit, Beratung und Unterstützung zu bekommen.
Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird geprüft,
- ob sich Ihr Kind körperlich (physisch), geistig (mental) und seelisch (psychisch) altersgerecht entwickelt ist,
- ob Krankheiten oder Entwicklungsauffälligkeiten vorliegen,
- ob Förder- oder Unterstützungsangebote sinnvoll sind.
Sind die Kindervorsorgeuntersuchungen Pflicht?
In Berlin sind die U-Untersuchungen keine Pflicht, werden aber dringend empfohlen. Sie sollten nach Möglichkeit im empfohlenen Alter und Zeitraum durchgefügt werden. Die Untersuchungen dienen der Vorsorge. Deswegen sollte ihr Kind auch dann daran teilnehmen, wenn es keine akuten Beschwerden oder Krankheiten hat. Die meisten Eltern lassen Ihre Kinder regelmäßig untersuchen und nehmen das Angebot an. Die Ärztin oder der Arzt kann dann auch Fragen zur Entwicklung, zum Schlaf, zur Ernährung oder zu Belastungen im Familienalltag beantworten.
Wichtig: Bei Sorgen nicht abwarten
Natürlich können Sie sich auch außerhalb der U-Untersuchungen bei Fragen oder Unsicherheiten jederzeit an ihre Kinderärztin, Kinderarzt oder an Beratungsstellen wenden.
Im akuten Notfall gilt: den Notruf (Telefonnummer: 112) wählen oder bei Unsicherheit, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefonnummer: 116 117) anrufen. Schnelle Hilfe kann entscheidend sein. Vertrauen Sie dabei immer Ihrem Bauchgefühl.
Das Kinderuntersuchungsheft
Das gelbe Kinderuntersuchungsheft (Download, Muster-PDF) erhalten Eltern direkt nach der Geburt ihres Kindes. In diesem Heft dokumentiert die Kinderärztin oder der Kinderarzt alle wichtigen Früherkennungsuntersuchungen. Auf der Titelseite des Hefts ist angegeben, wann welche Untersuchung vorgesehen ist. Im hinteren Umschlag befindet sich eine Tasche für den Impfpass, sodass Sie beide Unterlagen zusammen aufbewahren können. Bewahren Sie das Heft gut auf und bringen Sie es zu jeder U-Untersuchung und zu jeder ärztlichen Untersuchung bei einer Ärztin oder einem Arzt mit, die Sie noch nicht kennen.
Teilnahmekarte
Zusätzlich gibt es im Heft eine herausnehmbare Teilnahmekarte, mit der Sie nachweisen können, dass Ihr Kind an den Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen hat, zum Beispiel gegenüber Kitas oder Behörden, ohne vertrauliche Gesundheitsdaten weiterzugeben.
Kinderzahnpass
Mit dem gelben Kinderuntersuchungsheft erhalten Eltern in Berlin auch den Berliner Kinderzahnpass. Er befindet sich auf der letzten Innenseite des Hefts. Der Zahnpass begleitet die zahnärztliche Vorsorge von Anfang an, denn gesunde Milchzähne sind die wichtige Grundlage für gesunde bleibende Zähne. Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind, werden regelmäßige Untersuchungen durch eine Zahnarztpraxis empfohlen. Im Zahnpass werden diese Untersuchungen dokumentiert. So haben Sie alle wichtigen ärztlichen und zahnärztlichen Termine übersichtlich an einem Ort.
Welche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sind wann wichtig?
Vor der Geburt: U0
Die U0 ist eine freiwillige Vorsorgeuntersuchung, die noch vor der Geburt stattfindet, meist in den letzten Wochen der Schwangerschaft. Werdende Eltern werden dabei auf die Geburt und die erste Zeit mit dem Baby vorbereitet. In einem Gespräch mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt können Sie Ihre Fragen stellen, zum Beispiel zur Geburt, zum Stillen oder Ernährung, zu Impfungen oder zu den weiteren Vorsorgeuntersuchungen nach der Geburt.
Wichtig: Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen bieten die U0 kostenlos an. Informieren Sie sich deshalb vorher direkt bei Ihrer Krankenkasse.
Nach der Geburt: U1
Die U1 findet direkt nach der Geburt statt. Dabei prüft die Ärztin oder der Arzt, ob das Neugeborene gut ins Leben gestartet ist. Es wird untersucht, ob es Verletzungen oder Fehlbildungen gibt und ob Herz und Lunge richtig arbeiten.
Ein wichtiger Bestandteil der U1 ist der APGAR-Test (Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen, Reflexe). Er wird in den ersten Minuten nach der Geburt dreimal durchgeführt. So lässt sich der allgemeine Gesundheitszustand Ihres Babys schnell einschätzen.
Neugeborenen-Screenings
Bei der U1 informieren Sie die Ärztinnen und Ärzte in der Regel auch über die Screenings für Neugeborene. Beide Tests werden in den ersten Lebenstagen durchgeführt:
- Das Neugeborenen-Hörscreening überprüft, ob Ihr Kind gut hören kann.
- Das erweiterte Neugeborenen-Screening erfolgt über eine kleine Blutprobe und kann seltene und lebensbedrohliche Erkrankungen und Stoffwechsel- oder Hormonstörungen erkennen.
Altersgerechte Entwicklung: U2 bis U9
Ab der U2 begleiten die Vorsorgeuntersuchungen Kinder regelmäßig durch die ersten Lebensjahre:
- U2 – bis zum 10. Lebenstag
- U3 – in der 4. bis 5. Lebenswoche
- U4 – 3. bis 4. Lebensmonat
- U5 – 6. bis 7. Lebensmonat
- U6 – 10. bis 12. Lebensmonat
- U7 – 21. bis 24. Lebensmonat (etwa mit 2 Jahren)
- U7a – 34. bis 36. Lebensmonat (etwa mit 3 Jahren)
- U8 – 46. bis 48. Lebensmonat (etwa mit 4 Jahren)
- U9 - 60. bis 64. Lebensmonat (etwa mit 5 Jahren)
Bei den Terminen prüft die Ärztin oder der Arzt, ob Ihr Kind körperlich gesund ist und sich altersgerecht entwickelt, zum Beispiel in den Bereichen Bewegung, Sprache, Wahrnehmung und (Sozial-)Verhalten. Auch Themen wie Ernährung, Schlaf oder Mediennutzung können Sie hier besprechen. Die genauen Zeiträume stehen auch im gelben U- Heft. Bringen Sie dieses zu jeder Vorsorgeuntersuchung mit, damit alles dokumentiert werden kann.
Schul- und Jugendalter: U10, U11, J1 und J2
Auch im Schul- und Jugendalter gibt es wichtige Vorsorgeangebote:
- Bei der U10 (7–8 Jahre) und der U11 (9–10 Jahre) geht es vor allem darum, Lern-, Verhaltens- oder Entwicklungsauffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
- Die Jugenduntersuchung J1 findet etwa mit 12 Jahren statt.
- Die J2 folgt ungefähr mit 17 Jahren.
- Die Untersuchungen U10, U11, J1 und J2 werden nicht von allen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Kosten übernommen werden.
Bei diesen Untersuchungen geht es unter anderem um körperliche Veränderungen in der Pubertät, Haltung, mögliche Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen) und um das Gesundheits- und Sexualverhalten. Die Jugendlichen können bei diesen Untersuchungen auch vertraulich und ohne Eltern mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Sie erhalten Beratung zu Themen wie Familie, Schule, Freundschaften, psychischem Wohlbefinden und Sexualität.
Impfungen: Schutz von Anfang an
Zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen können Kinder auch ihre wichtigen Impfungen erhalten. Diese schützen vor ansteckenden Krankheiten. Manche Impfungen müssen später noch einmal aufgefrischt werden, damit der Schutz erhalten bleibt.
Hier bekommen Sie alle Informationen zum Thema Schutzimpfungen für Kinder.
Wo finden die U-Untersuchungen statt?
Die Kindervorsorgeuntersuchungen finden je nach Alter Ihres Kindes und Situation an unterschiedlichen Orten statt:
Direkt nach der Geburt
Bei einer Geburt im Krankenhaus wird Ihr Kind nach der Geburt direkt im Krankenhaus untersucht. Wenn ihr Kind in einer Geburtsklinik zur Welt kommt, werden die U1 und häufig auch die U2 dort durchgeführt. Bei einer Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus übernimmt in der Regel eine Kinder- und Jugendarztpraxis die ersten Untersuchungen. Ihre Hebamme unterstützt Sie dabei, rechtzeitig einen Termin zu vereinbaren.
Im weiteren Verlauf der Kindheit
In den ersten Lebensjahren finden die meisten Vorsorgeuntersuchungen (U3 bis zu den Jugenduntersuchungen) in einer Kinder- und Jugendarztpraxis statt. Wenn Sie von Beginn an zur selben Praxis gehen, kennt das Team Ihr Kind über viele Jahre hinweg und begleitet seine Entwicklung kontinuierlich.
Ergänzende oder unterstützende Untersuchungen beim KJGD
Einzelne Untersuchungen oder Beratungen können Sie auch beim Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) durchführen lassen. Diesen Dienst gibt es in allen Berliner Bezirken. Er ist vor allem dann eine wichtige Anlaufstelle, wenn Familien zusätzliche Unterstützung brauchen, zum Beispiel bei Entwicklungsauffälligkeiten, besonderen Förderbedarfen oder wenn kein regelmäßiger Zugang zu einer Kinderarztpraxis besteht. Der KJGD arbeitet oft eng mit Kitas, Schulen und anderen Beratungsstellen zusammen.
Eine Übersicht zu wichtigen medizinischen Beratungsstellen für Kinder bietet das Kinderversorgungsnetz Berlin.
Wie laufen die Kindervorsorgeuntersuchungen ab?
Terminvereinbarung
Wenn die nächste Vorsorgeuntersuchung für Ihr Kind ansteht, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Kinder- und Jugendarztpraxis. Wenn Sie noch keine Kinderarztpraxis haben oder eine neue Ärztin oder einen neuen Arzt in Berlin suchen, hilft Ihnen die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung weiter. Dort können Sie nach Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten in ihrem Bezirk suchen. Falls eine Untersuchung dringend ansteht und Ihre eigene Praxis keine freien Termine mehr hat, müssen Sie sich keine Sorgen machen: Über die Suche der Kassenärztlichen Vereinigung können Sie schnell eine passende Praxis finden.
Viele Kinderarztpraxen sowie Angebote wie das Portal Kinderärzte im Netz bieten freiwillige Erinnerungsdienste an, zum Beispiel per E-Mail, App oder SMS. Dafür können sich Eltern registrieren und erhalten rechtzeitig eine Erinnerung für die nächste U-Untersuchung. Das kann helfen, den Überblick zu behalten und Stress zu vermeiden. Wenn Sie eine Erinnerung erhalten haben, vereinbaren Sie am besten direkt einen Termin in Ihrer Kinderarztpraxis, damit die Untersuchung rechtzeitig stattfinden kann.
Damit möglichst alle Kinder an den wichtigen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, gibt es in Berlin zusätzlich ein besonderes Einladungs- und Erinnerungssystem. Kinderärztinnen und Kinderärzte melden, welche Kinder an den Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen haben. Diese Angaben werden mit den Daten der Melderegister abgeglichen. So kann festgestellt werden, welche Kinder eine Untersuchung noch nicht wahrgenommen haben. In diesen Fällen werden die Eltern zentral über die Charité angeschrieben und an die Termine erinnert.
Die U-Untersuchung
Bei der Vorsorgeuntersuchung wird Ihr Kind altersgerecht untersucht. Je nach Alter gehören dazu zum Beispiel:
- Körperliche Untersuchung: Messen von Größe, Gewicht und Kopfumfang
- Überprüfung von Bewegung, Sprache, Sehen und Hören
- Gespräche über Schlaf, Ernährung, Entwicklung und Verhalten
- Beratung zu Impfungen und weiteren Vorsorgeangeboten
Auch Ihre Fragen und Beobachtungen als Eltern sind ein wichtiger Teil der Untersuchung.
Beratung und Eintragung ins Untersuchungsheft
Die Ergebnisse der Untersuchung werden im gelben Untersuchungsheft dokumentiert. Die Ärztinnen oder Ärzte besprechen mit Ihnen, wie sich Ihr Kind entwickelt. Falls nötig, werden weitere Schritte empfohlen, zum Beispiel Förderangebote, Therapien oder zusätzliche Untersuchungen. Ihre Kinderärztin oder ihr Kinderarzt unterstützt Sie dabei, passende Fachstellen und Beratungsangebote zu finden.
Was kosten die Vorsorgeuntersuchungen?
Die meisten Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sind kostenlos, wenn Sie sie im vorgesehenen Zeitraum durchführen lassen. Sie gehören zu den festen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und sind für alle Kinder vorgesehen.
Kostenfrei übernommen werden:
- die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9
- die Jugenduntersuchung J1
Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, wie die U10, U11 oder die J2, gehören nicht zum Pflichtprogramm der gesetzlichen Krankenkassen. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten freiwillig, andere nicht. Erkundigen Sie sich am besten frühzeitig bei Ihrer Krankenkasse, ob diese zusätzlichen Untersuchungen bezahlt werden. So vermeiden Sie unerwartete Kosten.
Falls Ihr Kind nicht krankenversichert ist oder Sie unsicher sind, wie Sie medizinische Versorgung erhalten können, gibt es Hilfe: Kostenlose und anonyme Beratung bieten zum Beispiel Initiativen wie medizin-hilft.org. Dort erhalten Familien Unterstützung und Informationen zu medizinischer Versorgung, unabhängig vom Versicherungsstatus.
Weitere Informationen zur Kindervorsorgeuntersuchung
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