Mütter beraten Mütter: Hilfe, die ankommt

Eine Frau sitzt mit ihren beiden Kindern bei einem Beratungsgespräch in einem Familienzentrum.

In allen Berliner Bezirken sind Stadtteilmütter Ansprechpartnerinnen für Familien. Sie unterstützen bei Fragen zu Erziehung, Bildung oder gesunder Ernährung und informieren über Angebote im Kiez.

Mihaela Schiulin schiebt den Buggy mit ihrem kleinen Sohn über den Bürgersteig. Ihre jüngste Tochter hält sie fest an der Hand. Begleitet wird sie von der zwölf Jahre alten Melissa. Sie sind auf dem Weg zum Büro der Stadtteilmütter in Tempelhof. Es befindet sich in einem Altbau in der Viktoriastraße – direkt gegenüber der ufaFabrik.

Dienstags und mittwochs gibt es eine offene Sprechstunde. Gordana Stanojevic erwartet die vier bereits. Sie sitzt an einem Tisch und hat ihren leuchtend roten Schal umgelegt: das Erkennungszeichen der Stadtteilmütter. „Ich möchte Familien, die kein Deutsch sprechen und aus Rumänien kommen, unterstützen und sie begleiten“, sagt sie. Sie hilft bei Fragen zur Erziehung, zu Behörden, Kitas und zum Schulsystem. Auch bei der Suche nach Sprachkursen bietet sie Unterstützung an.

Beratung und Begleitung für den Alltag

Gordana Stanojevic betreut 26 Familien. Seit knapp einem Jahr auch Mihaela Schiulin. Die 30-Jährige wurde in der Nähe von Bukarest geboren und hat fünf Kinder im Alter zwischen eineinhalb und zwölf Jahren. Ihre beiden älteren Töchter gehen in die Grundschule. Zwei Stationen fahren sie mit dem Bus. Ihre Mutter ist in dieser Zeit mit den anderen Kindern allein zu Hause. Sie braucht Unterstützung, wenn sie Anträge für Kinder- und Bürgergeld ausfüllen, einen Kitagutschein beantragen oder einen Termin beim Zahnarzt ausmachen muss. Gordana Stanojevic erledigt Telefonate für sie und begleitet sie zu Elterngesprächen in der Schule oder zu Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Gemeinsam haben sie sich verschiedene Kitas angeschaut. Für ihren Sohn und ihre jüngste Tochter sucht Mihaela Schiulin einen Betreuungsplatz. Dann hätte sie auch Zeit für eigene Interessen. Mit fünf Kindern ist es nicht immer leicht. „Wenn die beiden Ältesten aus der Schule kommen, muss das Essen fertig sein. Und wenn ich Termine habe, muss ich oft alle Kinder mitnehmen“, sagt sie.
 

Mihaela Schiulin steht vor dem Büro der Stadtteilmütter in Tempelhof, sie hat ihren kleinen Sohn auf dem Arm, der freundlich in die Kamera schaut. Sie schaut ihn lächelnd an.

„Ich möchte, dass es meinen Kindern gut geht.“

Mihaela Schiulin

Unterstützung für Mütter, die sich fast wie Freundschaft anfühlt

Mutter und Stadtteilmutter wirken sehr vertraut miteinander. Fast wie Freundinnen. Auch die Kinder haben Gordana Stanojevic ins Herz geschlossen. Die beiden Jüngsten klettern auf ihren Schoß und wollen mit ihr spielen. Im Sommer 2023 bekam die Stadtteilmutter einen Anruf vom Jugendamt mit der Bitte, Mihaela Schiulin zu unterstützen. „Als Mama braucht sie auch mal Luft, damit sie Zeit für sich hat“, sagt Gordana Stanojevic. Meistens fährt sie zu ihr nach Hause. Wenn sie klingelt, wird sie freudestrahlend von Mihaela Schiulin empfangen. „Ich kann Gordana immer anrufen, wenn ich Hilfe brauche. Gerade kam ein Brief von der Schule, den ich mit Gordana zusammen durchlese“, erzählt die 30-Jährige. Und vor allem: Sie kann sich mit ihr in ihrer Muttersprache unterhalten. Oft sitzen sie zusammen in der Küche, trinken Kaffee und reden über Erziehungsfragen und Alltagssorgen. Mihaela Schiulin kennt viele der Angebote für Familien in Berlin nicht. Auch, weil sie die Sprache nicht versteht. Dank der Unterstützung von Gordana Stanojevic hat sie ihre Tochter bei der Schülerhilfe angemeldet. Und in den Ferien besuchen die Kinder Angebote im Familienzentrum.

Stadtteilmütter

Stadtteilmütter besuchen Familien zu Hause. Man findet sie auch in Familienzentren, Kitas und Schulen, in Eltern-Kind-Cafés und in Unterkünften für Geflüchtete. Sie gehen dahin, wo sie von Familien mit Migrationserfahrung gebraucht werden. Wer sie sind und was sie machen, erfahren Sie hier auf dem Berliner Familienportal.

Stadtteilmütter in Berlin: Eine Frage des Vertrauens

„Vertrauen aufzubauen ist ganz wichtig“, sagt die Stadtteilmutter. „Wenn die Familien Vertrauen haben, öffnen sie sich und erzählen von ihren Problemen.“ Doch das braucht Zeit. Mihaela Schiulin ist froh, dass sie sich immer auf Gordana Stanojevic verlassen kann. „Denn ich möchte, dass es meinen Kindern gut geht.“ Wenn sie für die beiden Jüngsten einen Kitaplatz gefunden hat, möchte sie besser Deutsch lernen und eine Berufsausbildung machen. Auch dabei wird die Stadtteilmutter sie unterstützen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Storyserie, die das Leben von Familien in Berlin beleuchtet. Wir danken Gordana Stanojevic sowie Mihaela Schiulin und ihren Kindern, dass sie uns ihre Geschichte erzählt und beim Fotoshooting mitgemacht haben. Dem Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum ufaFabrik e. V. danken wir für den bestens organisierten Fotoshootingtag.

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