So kommen Sie gut durch die Pubertät

Eine Jugendliche sitzt auf ihrem Bett und hat die Mütze ihres Kapuzenpullovers eng über ihr Gesicht gezogen. Daneben sitzt ihre Mutter auf einem Stuhl und versucht mit ihrer Tochter zu sprechen.

Mit Beginn der Pubertät wird vieles anders und einiges komplizierter. Die Kinder werden körperlich und geistig erwachsen, jedoch nicht ohne Grenzen auszureizen und auszutesten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Ihre Kinder und Sie selbst gut durch diese Zeit kommen.

Der Körper beginnt sich zu verändern, die Interessen verschieben sich und es gibt unvermittelte Stimmungsschwankungen – aber auch die erste Liebe, mehr Freiheiten und mehr Verantwortung – kurzum: Die Pubertät geht los.

Die Vorpubertät – bei Mädchen früher als bei Jungen

Früher als viele denken, kann die Vorpubertät schon bei Mädchen mit acht oder bei Jungen mit zehn bis elf Jahren beginnen. Plötzlich wachsen die Kinder noch schneller und ihr Wesen ändert sich. 

Bei Mädchen zeigt sich die Pubertät durch körperliche Veränderungen: Ersten Rundungen, wenn sich ein Brustansatz bildet und sie ihre erste Periode bekommen. Bei Jungs setzen die körperlichen Veränderungen später ein. Ihr Penis und Hodensack wachsen und die Behaarung am Körper und im Gesicht wird dichter, dicker und sichtbarer, ihre Stimme bricht und wird tiefer.

Viele Jungen wie Mädchen leiden unter den typischen Pickeln oder Akne. 

Weniger sichtbar sind die Veränderungen, die die Pubertät im Kopf der Kinder anstößt. Das Gehirn erlebt viele Änderungen und gibt Signale an die Nebennieren ab, die damit beginnen, Geschlechtshormone zu bilden.

Wann und wie lange ist ein Kind in der Pubertät?

In der Regel beginnt bei Mädchen die Pubertät im Alter von 8 bis 13 Jahren und dauert etwa vier Jahre. Bei Jungen beginnt die Pubertät etwa mit 10 bis 14 Jahren und dauert ungefähr vier bis sechs Jahre. Ein klares Ende der Pubertät gibt es nicht, sie endet eher in Etappen. Das bedeutet, dass verschiedene Entwicklungsphasen unterschiedlich schnell abgeschlossen sind. Diese Altersangaben sind Durchschnittswerte. Bei manchen Kindern und Jugendlichen geht es schneller, bei anderen dauert es etwas länger. Das ist nichts Ungewöhnliches, sondern völlig im Rahmen. 

  • Mädchen erreichen mit etwa mit 14 Jahren, Jungen mit etwa 16 Jahren die Geschlechtsreife. Das heißt Mädchen können dann schwanger werden und Jungen können ein Kind zeugen.
  • Der Körper hört bei Mädchen mit ungefähr 16 Jahren und bei Jungen mit ungefähr 19 Jahren auf zu wachsen.
  • Letzte körperliche Veränderungen können noch bis 20 Jahre – bei Jungen sogar noch etwas länger – dauern.

Pubertät zu früh oder zu spät?

Machen Sie sich Sorgen, dass Ihr Kind zu früh oder zu spät in die Pubertät kommt? Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, um mögliche Ursachen zu klären.

Von einer verfrühten Pubertät spricht man bei Mädchen, wenn sie vor dem achten Geburtstag einsetzt, bei Jungen vor den neunten Geburtstag.

MSD-Manual: Verfrühte Pubertät

MSD-Manual: Verzögerte Pubertät

Was passiert im Körper während der Pubertät

Die Änderungen im Gehirn ist wahrscheinlich für die typischen Stimmungsschwankungen in der Pubertät verantwortlich. Fachleute gehen davon aus, dass sich vor allem die Bereiche im Gehirn weiterentwickeln, die steuern, wie man seine Entscheidungen fällt. Zudem entstehen neue Verbindungen im Gehirn zu den Regionen, die für Emotionen verantwortlich sind.

Während dieses Umbaus sind Jugendliche impulsiver und spontaner als Kinder und Erwachsene. Das führt dazu, dass sie in manchen Situationen risikobereiter sind und plötzliche Gefühlsausbrüche eher die Regel als die Ausnahme sind.

Wie sich der Körper in der Pubertät verändert

  • So verändern sich die äußeren Geschlechtsorgane

    Mit der Pubertät verändern sich die äußeren Geschlechtsmerkmale von Jungen und Mädchen – also Hoden und Penis beziehungsweise die Vulva. 

    Der Penis, Hoden, und Hodensack wachsen und bekommen eine markantere individuelle Form. 

    Bei den Mädchen wachen die Schamlippen und die Klitoris und entwickeln ihre individuelle Form. 

  • So verändern sich die inneren Geschlechtsorgane

    Bei Jungen beginnen die Hoden damit, Spermien zu produzieren. Meist kommt es im Schlaf zu ersten Samenergüssen. 

    Weitreichender sind die inneren Veränderungen bei Mädchen. Die Eierstöcke bereiten sich darauf vor, monatlich eine befruchtungsfähige Eizelle abzugeben – der sogenannte Eisprung. 

    Gleichzeitig entwickelt sich die Gebärmutter – auch Uterus genannt. Sie entwickelt sich zu einem Organ, das sich monatlich auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Diese monatliche Wiederholung nennt sich Zyklus oder Periode. Es kommt zur ersten Regelblutung – auch Menarche genannt. Auch wenn die Regel erstmal in unregelmäßigen Abständen kommt, ist nun eine Schwangerschaft möglich. 

  • Die Brüste wachsen

    In der Pubertät entwickeln sich auch die sekundären Geschlechtsmerkmale. Bei Mädchen entwickeln sich die Brüste. Die Brustdrüsen beginnen zu wachsen und der Körper lagert im Brustgewebe mehr Körperfett ein. In dieser Zeit können die Brustdrüsen sehr druckempfindlich sein und wehtun. 

    Auch bei Jungen können sich kurzzeitig die Brustdrüsen vergrößern. Das nennt sich Gynäkomastie. Das ist normal, bildet sich meist von selbst zurück und ist in der Regel kein Grund zur Sorge. 

  • Das Skelett wird erwachsen

    Während der Körperbau von Mädchen und Jungen vor der Pubertät noch sehr ähnlich ist, entwickeln sich die Skelette und damit auch der Körperbau während der Pubertät in der Regel unterschiedlich. Frauen neigen mehr zu einer schmalen Taille und breiteren Hüften, währen Männer eher zu breiten Schultern und schmalen Hüften neigen. 

    Körperform und Knochenbau sind aber nicht nur vom biologischen Geschlecht abhängig. Viele weitere Faktoren haben hier ebenfalls einen Einfluss, etwa Ernährung, Fitness und genetische Veranlagung.
     

  • Die Körperbehaarung löst den Flaum ab

    Und plötzlich sprießen überall Haare: Während der Pubertät nimmt die Körperbehaarung bei Jungen und Mädchen spürbar zu. 

    Bei Jungen wachsen meist deutlich mehr und dunklere Haare an Beinen, Armen, im Gesicht (Bartwuchs), im Genitalbereich sowie unter den Achseln. 

    Auch bei Mädchen werden Haare an Beinen, im Schambereich und unter den Achseln kräftiger und dunkler. Die neuen Haare unterscheiden sich vom Kinderflaum: Sie sind dicker, dunkler und oft krauser.

    Typisch ist zudem, dass sich die Schambehaarung bei Jungen stärker Richtung Bauchnabel ausbreitet, während sie bei Mädchen meist auf den Bereich über den Schamlippen begrenzt bleibt. Die Ausprägung der Körperbehaarung variiert individuell: Manche Jungen haben wenig Körperbehaarung, bei manchen Mädchen zeigt sie sich etwas ausgeprägter. Die genetische Veranlagung spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

  • Haut, Talg und Akne

    Die verschiedenen Hormone lassen Pubertierende nicht nur in die Höhe schießen, sie regen auch die Talgproduktion in der Haut an. Das verschließt die Poren und es entstehen Pickel beziehungsweise Akne. 

    Beim Kampf gegen die Akne sind Hygiene, sanfte Pflege und Geduld entscheidend:

    • Milde, pH-neutrale Reinigungsprodukte. Gesicht morgens und abends waschen – keine alkoholhaltigen Produkte.
    • Nicht drücken oder quetschen, denn das fördert Entzündungen und erhöht das Risiko für Narben.
    • Ölfreie Pflegeprodukte, die die Poren nicht verstopfen. Achten Sie beim Kauf von Pflegeprodukten und Kosmetik darauf, dass sie „nicht-komedogen“ sind – also die Poren nicht verstopfen. Nicht-komedogene Produkte können Sie an unter anderem an dem Zusatz „für ölige oder fettige Haut“ erkennen. Im Zweifel lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Viele Fach-Online-Shops haben auch gesonderte Kategorien für nicht-komedogene Produkte.
    • Ausgewogene, möglichst wenig zucker- und fettlastige Ernährung.
    • Regelmäßiger, aber maßvoller Sonnenschutz.
    • Regelmäßiges Waschen von Kissenbezügen, Handtüchern und das Reinigen des Smartphone-Bildschirms kann ebenfalls hilfreich sein.

    Bei schwerer oder belastender Akne lassen Sie sich fachärztlich beraten. Akne ist meist gut behandelbar und verbessert sich oft nach der Pubertät deutlich.

Acht Tipps, wie Sie Ihr Kind in der Pubertät unterstützen können

Als wäre die Pubertät an sich noch nicht genug, ändern sich während der Pubertät auch die Herausforderungen, Aufgaben und Erwartungen, die von außen an die Heranwachsenden gestellt werden. Kinder und Jugendliche, die heute aufwachsen bekommen zudem noch durch soziale Netzwerke „Druck“ von außen. 

Sie begegnen im Netz nicht nur (unerreichbaren) Schönheitsidealen, sozialen Konflikten und Ausgrenzung, sondern auch verzerrten Rollenbildern und unrealistischen Darstellungen von Nähe und Sexualität in Pornos.

Es ist verständlich, dass es für die Jugendlichen schwer ist, mit all dem umzugehen – vor allem, wenn sie da alleine durchmüssen. Pubertierende brauchen nicht nur Freiraum, sich zu entwickeln, sie brauchen auch Unterstützung in dieser Lebensphase. 

  1. Reden Sie regelmäßig miteinander über Sorgen, Selbstbild, Wünsche und Träume. Damit geben Sie Ihren Kindern und Teenagern Halt.
  2. Kommunizieren Sie wertschätzend. Viele Jugendliche plagen Zweifel, Ängste und Unsicherheiten. Haben Sie Verständnis für die Nöte Ihres Kindes.
  3. Lassen Sie Streit zu und bleiben Sie in Kontakt. Handeln Sie Kompromisse aus und treffen Sie gemeinsame Absprachen. Besser als Strenge und Ermahnungen ist die Haltung „Ich interessiere mich für dich und stehe auf deiner Seite“.
  4. Setzen Sie Grenzen. Während Freiräume wichtig sind, braucht es auch ein paar Regeln, wie feste Uhrzeiten, wann Ihr Kind nach Hause kommen soll.
  5. Respektieren Sie die Privatsphäre Ihres Kindes. Stöbern Sie nicht in Chat-Nachrichten, Briefen, Zetteln oder Online-Accounts. Ihr Kind könnte sich hintergangen fühlen und zu Recht sauer sein.
  6. Akzeptieren Sie die Freunde Ihres Teenagers. Auch wenn Sie fürchten, dass sie einen schlechten Einfluss haben. Sprechen Sie stattdessen mit Ihrem Kind darüber. „Was magst du an ihr oder ihm?“ Vielleicht können Sie so die Freundschaft besser verstehen.
  7. Versuchen Sie nicht, Ihr Kind vor allen schmerzhaften Erfahrungen zu bewahren. Es ist in einem Alter, in dem Sie Ihrem Teenager Frustrationen zumuten können. Geben Sie ihm Raum, selbst nach einer Lösung zu suchen. Mit Gesprächen können Sie aber helfen, die Gefühle zu sortieren.
  8. Bleiben Sie gelassen. Die Stimmungsschwankungen richten sich nicht gegen Sie. Sie sind Teil der Entwicklung in der Pubertät. Erinnern Sie sich an die eigene Pubertät – und Ihre damaligen Stimmungsschwankungen. 

Die meist gestellten Fragen zur Pubertät

  • Warum beginnt die Pubertät heute früher?

    Der Eindruck, dass die Pubertät heute früher losgeht, täuscht nicht. Im Schnitt ist beginnt die Pubertät heute früher als noch bei der Eltern- und Großelterngeneration. Im 19. Jahrhundert setzte die Regelblutung bei jungen Frauen in Europa mit 16 bis 17 Jahren ein. Bis in die 1960er Jahre ist das Alter bei der ersten Regelblutung stark zurückgegangen.

    Schon 1994 hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, heute Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit – BIÖG) festgestellt, dass die erste Regelblutung 1,3 Jahre und der erste Samenerguss 1,6 Jahre früher erfolgten als noch 1980. Diesen Trend bestätigt auch eine Untersuchung der Nationalen Geburtenkohorte Dänemarks von 2018. Hier setzten bei Mädchen die Veränderungen der Brust bereits mit 10,5 Jahren ein. Verglichen mit ihren Müttern setzte bei ihnen die erste Regelblutung gut 3,6 Monate früher ein.

    Zahlen aus den USA zeigen, dass die Pubertät heute drei Jahre früher beginnt als noch vor 100 Jahren. Mögliche Gründe für diese Veränderung sind eine verbesserte Ernährung und bessere allgemeine Gesundheit.

    WDR – Quarks: Darum kommt die Pubertät immer früher

  • Warum wächst mein Kind in der Pubertät so schnell?

    Am Anfang der Pubertät beginnt der Körper, mehr Geschlechtshormone zu bilden, woraufhin ein Wachstumsschub einsetzt. Jugendliche wachsen in kurzer Zeit mehrere Zentimeter. Bei Jungen können das auch mal acht Zentimeter im Jahr sein. 

    Dieser Schub findet bei Mädchen meist früher statt als bei Jungen, da ihre Pubertät früher beginnt. Deshalb sind Mädchen in diesem Alter oft vorübergehend größer als gleichaltrige Jungen.

    Die Wachstumshormone selbst werden hauptsächlich in der Hirnanhangdrüse gebildet, aber sie können durch die Geschlechtshormone ihre Wirkung entfalten – bei Mädchen vor allem Östrogene, bei Jungen vor allem Androgene wie Testosteron. 

    Zuerst liefern auch die Nebennieren einen Teil der Geschlechtshormone. Später, wenn die Eierstöcke bei Mädchen oder die Hoden bei Jungen stärker arbeiten, übernehmen sie diese Aufgabe. Dann bestimmen diese Hormone, wie lange und wie stark das Wachstum weitergeht.

    Bei Mädchen sorgt ein Anstieg des Östrogenspiegels dafür, dass das Wachstum früher gestoppt wird. Deshalb sind Frauen als Erwachsene im Durchschnitt etwas kleiner als Männer, deren Wachstum durch Testosteron erst später gestoppt wird.

  • Was passiert beim Stimmbruch?

    In der Pubertät wächst auch der Kehlkopf und verändert die Stimme. Wird er größer, wird die Stimme tiefer. Da der Kehlkopf bei Jungen mehr wächst als bei Mädchen, bekommen sie in der Regel eine tiefere Stimme. 

    Während des Wachstums erlebt auch die Stimme eine Achterbahnfahrt. Sie kann vor allem bei Jungen schrill oder krächzend klingen oder zwischen hohen und tiefen Tönen hin und her springen.

  • Warum ist mein Kind immer müde und schlapp?

    Was viele pubertierende Jugendliche gemein haben, ist ihre scheinbare Dauermüdigkeit. Das Problem ist, dass ihr Schlafrhythmus in der Pubertät kaum zu den Erwartungen passt, die Eltern, Schule und andere an sie stellen. Das ist kein böser Willen oder vorsätzliches Ignorieren der vereinbarten Schlafenszeiten. 

    Zum einen ist die Pubertät mit all den inneren und äußeren Veränderungen ziemlich anstrengend für Körper und Geist. Zum anderen dreht die Pubertät auch an der inneren Uhr. Diese innere Uhr wird zirkadianer Rhythmus genannt. „Zirka“ wie „ungefähr“ und „-dian“ von lateinischen „dia“ für „Tag“. 

    Die Pubertät dreht an der inneren Uhr

    Der zirkadiane Rhythmus ist die innere, biologische Uhr des Menschen, die physiologische Prozesse wie Schlaf-Wach-Zyklus, Körpertemperatur und Hormonspiegel auf einen ungefähr 24 Stunden langen Tag abstimmt.

    Betroffen ist davon auch das „Schlafhormon“ Melatonin. Das wird in der Pubertät bis zu zwei Stunden später ausgeschüttet. Jugendliche werden also später müde und schlafen später ein. Da hilft auch früher ins Bett zu gehen nicht unbedingt. Jugendliche brauchen jedoch acht Stunden Schlaf, um ausgeruht und erholt zu sein. Schlafen sie erst um Mitternacht ein, müssen aber um sechs Uhr aufstehen, fehlen einfach objektiv zwei Stunden Schlaf. 

    Die Folge: Sie fühlen sich schlapp, sind schlecht gelaunt, weniger leistungsfähig und können sich in der Schule nicht so gut konzentrieren.

  • Wie klappt es mit gutem Schlaf und dem Aufstehen?

    Suchen Sie das Gespräch und versuchen Sie herauszufinden, ob neben dem verschobenen Rhythmus noch etwas anderes Ihr Kind vom Schlafen abhält. Auch andere körperliche Ursachen, Sorgen und Ängste, Konflikte mit Freundinnen beziehungsweise Freunden oder Ärger in der Schule können der Grund sein.

    Auch beim morgendlichen Streit ums Aufstehen gilt der Grundsatz „Freiraum lassen und Richtung zeigen“. Begleiten Sie Ihr Kind dabei, eigenverantwortlich morgens aufzustehen. Besprechen Sie mögliche Konsequenzen, wenn Ihr Kind nicht pünktlich aufsteht. Das kann der Stress oder nicht genug Zeit zum Frühstücken sein. Im schlimmsten Fall kommt es zu spät zur Schule. Besprechen Sie, was das dann bedeuten kann. Bitten Sie Ihr Kind, sich selbst den Wecker stellen. Vielleicht braucht es am Anfang auch ein paar Wecker mehr.

  • Tipps für bessere Schlafgewohnheiten für Pubertierende (und Eltern)

    Da sich leider der Alltag nicht den veränderten biologischen Rhythmus der Pubertierenden anpasst beziehungsweise anpassen lässt, gibt es ein paar Tipps für bessere Schlafgewohnheiten.

    • Regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten können helfen, den zirkadianen Rhythmus zu justieren. Auch am Wochenende sollten die Zeiten nicht mehr als eine Stunde abweichen.
    • Morgens mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule: Frische Luft und Tageslicht machen (wissenschaftlich erwiesen) munter.
    • Auch wenn es schwerfällt: Müdigkeit nicht mit künstlichen Wachmachern wie Kaffee, Cola oder Energydrinks bekämpfen – besser: (vor allem im Winter) Tageslichtlampen.
    • Tagsüber ein kurzer Schlaf bei Müdigkeit: Aber nicht länger als 30 Minuten, damit der Nachtschlaf nicht darunter leidet.
    • Viel Bewegung und Sport helfen beim Auspowern.
    • Das Bett sollte hauptsächlich zum Schlafen da sein. So lernt der Körper: Bett = schlafen. Also hier nicht fernsehen oder am Handy oder der Konsole spielen.
    • Nicht kurz vor dem Zubettgehen essen: Besser feste Zeiten für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.
    • Blaues Licht unterdrückt die Ausschüttung des schlaffördernden Hormons Melatonin. Starke Quellen blauen Lichts sind Handy, Computer- oder Fernsehbildschirme. Daher mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen solche Geräte ausschalten oder in den Nachtlichtmodus wechseln.
    • Störende Licht- und Lärmquellen ausschalten. Das Schlafzimmer sollte nicht zu warm sein, da der Körper zum Einschlafen seine Temperatur senkt. Frische Luft hilft ebenfalls beim Einschlafen. Daher vor dem Zubettgehen nochmal gut durchlüften.
    • Wenn es mit dem Schlafen nicht funktioniert: Nicht im Bett rumwälzen, sondern aufstehen und eine ruhige Beschäftigung wie beispielsweise lesen suchen und dann erneut hinlegen.

Wie kommen Eltern unbeschadet durch die Pubertät?

Die Pubertät ist nicht nur für die Kinder und Jugendlichen eine herausfordernde Zeit. Auch Eltern können am Nachwuchs verzweifeln. Die folgenden Tipps helfen Ihnen durch den „ganz normalen Pubertäts-Wahnsinn“. 

  • Positive Grundhaltung: Betrachten Sie die Veränderungen der Kinder wohlwollend. Ein Augenzwinkern und eine liebevolle Sicht auf Ihre Kinder hilft Ihnen, die Ruhe zu bewahren. Das schafft eine vertrauensvolle und entspannte Atmosphäre.
  • Stimmungsschwankungen nicht persönlich nehmen: Sie sind ein natürlicher Teil des Prozesses. Eine innere Festigkeit hilft Ihnen, Provokationen, Wutausbrüche und Beleidigungen gelassen hinzunehmen und unnötige Machtkämpfe zu vermeiden.
  • Selbstständigkeit fördern: Sie können Ihre Kinder nicht vor Schmerz bewahren. Helfen Sie Ihnen stattdessen, ihre Gefühle zu verstehen und eigene Lösungen zu finden.
  • Pubertät als Chance zur eigenen Weiterentwicklung: Die Kinder zeigen oft die Schwachpunkte der Eltern auf. Nutzen Sie diese Zeit, um eigene Gefühle zu reflektieren und zu verstehen, warum bestimmte Verhaltensweisen des Kindes Sie ärgern.
  • Eigene Freiräume nutzen: Da Kinder in der Pubertät weniger elterliche Fürsorge benötigen, können Sie sich auf die eigenen Bedürfnisse konzentrieren und neue Freiheiten genießen. Eltern, die sich auch um sich selbst kümmern, sind gute Vorbilder.
  • Gelassene Kommunikation bei starken Emotionen: Wenn Emotionen hochkochen, ist es ratsam, Gespräche zu verschieben und eine Pause einzulegen. Mache Sie vielleicht einen Spaziergang, bis sich die Gemüter beruhigt haben.
  • Die Pubertät ist eine wichtige und wertvolle Zeit, die die Weichen für den Lebensweg Ihrer Kinder und die spätere Beziehung zwischen Ihnen und Ihren erwachsenen Kindern stellt. Sehen Sie die liebenswerten Seiten, bringen Sie Verständnis auf und bieten Sie Sicherheit und Wertschätzung.

Diese Tipps helfen im Alltag, können aber selbstverständlich nicht alle Konflikte und Probleme entschärfen, die in der Pubertät aufkommen können, lösen. 

Holen Sie sich Hilfe, wenn ihr Kind psychisch auffällig ist und Essstörungen, Depressionen oder gar selbstverletzendes Verhalten zeigt, Alkohol, Cannabis oder andere Drogen missbraucht, es straffällig wird oder niemanden mehr an sich ranlässt. In Berlin gibt es zahlreiche Angebote, die Sie gezielt in unterschiedlichen Konflikt- und Problemlagen unterstützen können.

Viele Angebote stehen auch den Jugendlichen offen, wenn sie mal ohne Eltern reden müssen. 

Wir haben für Sie Beratungs- und Hilfsangebote für Familien, Eltern und Kinder in Berlin zusammengestellt.

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